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Mikrofinanz für kleine Unternehmen?
Dienstag, 20. Januar 2009

Auch in Liechtenstein beklagen sich KMU regelmässig über die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken. Zu Unrecht, sagt Hans Brunhart, Verwaltungsratspräsident der VP Bank und plädiert für kreative Lösungen.

Von Patrick Stahl


Die 300 000 kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz und in Liechtenstein bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Sie beschäftigen zwei Drittel aller Beschäftigten und bilden im Vergleich zu Grossbetrieben überdurchschnittlich viele Lehrlinge aus. Dennoch: Kleinunternehmer und Gewerbler beklagen sich regelmässig darüber, dass sie keine Bankkredite beispielsweise zur Anschaffung von neuen Maschinen erhalten, sofern sie nicht genügend Sicherheiten vorweisen. Der Vorstand der Gewerblichen Industrie Liechtenstein (GIL) befasst sich nun seit über einem Jahr mit der Problematik und lud VP Bank-Verwaltungsratspräsident Hans Brunhart als Gastredner zum Neujahrsapéro der Sektion. Die Finanzierung von KMU beschäftige die Unternehmer in der Region und habe durch die Finanzmarktkrise noch an Brisanz gewonnen, sagte Sektionspräsident Magnus Tuor gestern vor den zahlreich erschienenen Unternehmern.


Banken sind zurückhaltend
Als Gastredner versuchte Brunhart die andere Seite der Medaille, die Sichtweise der Banken, zu zeigen. Der Verwaltungsratspräsident der VP Bank wies den Vorwurf zurück, die liechtensteinischen Banken seien dafür verantwortlich, dass innovative Unternehmer ihre guten Ideen nicht in die Tat umsetzen könnten: «Wir haben im Normalfall keinen Notstand bei den Unternehmenskrediten», sagte Brunhart. Er räumte zwar ein, dass die liechtensteinischen Banken generell eine eher zurückhaltende Kreditvergabepolitik betrieben. Auch habe die internationale Finanzmarktkrise zur Folge, dass das Risikobewusstsein der Banken generell gestiegen sei, was in einzelnen Fällen auch KMUs spüren könnten. Brunhart versicherte den Gewerblern aber, dass die Banken bestehende Geschäftsbeziehungen mit Kunden nicht auflösten und ihren Beitrag leisten würden, um eine Kreditklemme zu verhindern.
Der frühere Regierungschef zeigte durchaus Verständnis für die Probleme der KMU. Gewerbler hätten keine Möglichkeit, sich über die Kapitalmärkte frisches Geld für ihre Investitionen zu beschaffen und das Startkapital der Unternehmen sei meist schon im Betrieb gebunden. Deshalb seien KMU auf die Unterstützung von dritter Seite angewiesen. Die Kreditvergabe der Banken sei dabei ein wesentlicher Baustein der Finanzierung, hob der VP Bank-Chef hervor.


Spielraum eingeschränkt
Es gelte aber zu beachten, dass der Spielraum der Banken durch die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen eingeschränkt sei, beispielsweise durch die Vorschriften nach Basel II: «Unser Korsett ist eng», sagte Brunhart. Auch stünden die Unternehmen in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, indem sie ein professionelles Geschäftsgebaren an den Tag und ein überzeugendes Geschäftsmodell mit Einbezug eines Worst-Case-Szenarios auf den Tisch legen. Andere Finanzierungsmodelle etwa durch Beteiligungsgesellschaften oder den Staat selbst, hält Brunhart für weniger sinnvoll: «Der Staat sollte nicht mit dem Füllhorn herumgehen, um die Kassen der Firmen zu füllen.» Er plädierte vielmehr dafür, den Blickwinkel zu öffnen und auch unkonventionelle und kreative Lösungen ins Auge zu fassen.
Eine sinnvolle Möglichkeit, die Risikofinanzierung für KMU zu gewährleisten, sieht Brunhart im so genannten Mikrofinanz-Modell. Das Instrument stammt eigentlich aus der Entwicklungshilfe und stellt für Menschen in der dritten Welt oft die einzige Möglichkeit dar, in den Genuss von Krediten zu kommen. Mittlerweile vergeben aber auch in Europa und Nordamerikas spezialisierte Banken und Institute Mikrofinanz-Kredite an KMU und Jungunternehmer.

Neuer Anlauf für Projekt
Ein ähnliches Projekt hat die Wirtschaftskammer Liechtenstein auch mit der VP Bank angestrebt - bisher ohne Erfolg. Der Verband war bei der Bank vorstellig geworden, um einen Topf von zwei Mio. Franken zu bilden, aus dem Tranchen von 50 000 bis 200 000 Franken an betroffene Firmen hätten vergeben werden sollen. Brunhart begrüsste den Vorstoss der Wirtschaftskammer und hielt ein gemeinsames Projekt weiterhin für sinnvoll. «Wir müssen aber nochmals über die Bücher gehen und die Gespräche neu aufnehmen», sagte der VP Bank-Präsident. Die VP Bank hatte Ende des vergangenen Jahres wegen der Finanzmarktkrise vorläufig Abstand von dem Projekt genommen. Brunhart wies gestern auf die Nachteile einer solchen Lösung hin, nämlich die Einbindung von zusätzlichen Gremien und die einseitige Risikobelastung der Banken.
Auch in der anschliessenden Diskussion zeigte sich, wie die Ansichten der Unternehmer auseinander gehen: Während ein einheimischer Gewerbler die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken kritisierte, lobte der Werdenberger Unternehmer Paul Schlegel die vorbildliche Zusammenarbeit mit den liechtensteinischen Banken.


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